Von Bijelo Polje nach “Boom Town” Tirana

Juli 11th, 2008 by admin

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Mittwoch, 9. Juli / Donnerstag, 10.Juli

Wir brechen früh auf um für alle Fälle genügend Zeit für diese Tagesetappe zu haben, da die Zeitangaben für die Fahrtstrecke von Bijelo Polje über Podgorica und Shkodra nach Tirana um mehrere Stunden differieren, je nach dem, wen man fragt.

Zuerst geht es also an den Wintersportgebieten der Bjelasnica und Kolasin vorbei wieder auf die Passhöhe zurück und diesmal flotter abwärts durch die Schluchten der Moraca, während die Kühle der Höhenluft wieder drückender Hitze weicht. Auch die Vegetation ändert sich entsprechend von den dichten Laubwäldern der Berge bis zum trockenen Gestrüpp im Auslauf der Schlucht kurz vor Podgorica. In der Ebene wechseln Graslandschaften und Föhrenwälder mit ausgedehnten Obstplantagen und Weinfeldern, soweit das Auge reicht. Kein Straßenschild weist hier nach Albanien oder dem nächsten großen Ort über der Grenze, Shkodra hin, die Straße wird immer enger und holpriger, bis nach einer Kuppe der Shkodrasee auftaucht, der größte Binnensee des Balkan, mit einem weitläufigen Schilfgürtel und Sumpfgebiet rundherum, einst gefürchtet als Brutstätte der Malaria und heute ein geschütztes Biotop. Ganz im Gegensatz zur von Schlaglöchern übersäten Straße wird an der neuen Zollstation zwischen Albanien und Montenegro mit EU Unterstützung emsig und in absurd großen Dimensionen gebaut, so als ob es primär um Abgrenzung und nicht um Verbindungslinien ginge – eine antizipierte Schengen-Außengrenze?

Nach dem Grenzübergang wird die Straße noch schlechter, die wenigen Kilometer bis Shkodra ziehen sich fast im Kriechgang, die parallel führende Bahnlinie ist verfallen. In der Landschaft tauchen jetzt öfters die grauen Betonkuppen der Bunkeranlagen auf, die hier zu Enver Hoxas Zeiten zur „Abwehr des äußeren Klassenfeindes“ und wohl im wachsenden Verfolgungswahn gebaut wurden. Im Gegensatz dazu stehen jetzt immer mehr bunte Einfamilienhäuser wie planlos in die Gegend gestreut, manche davon mit dem Geld und Geltungsbedürfnis der „Gastarbeiter“ zu richtigen Kitschvillen aufgeplustert. Nach jahrzehntelanger Zwangskollektivierung geht offenbar der Pendelschlag weit in Richtung des Primats des Privaten, das sich überhaupt nicht mehr um öffentliche Einrichtungen und abgestimmte Gemeindestrukturen oder eine entsprechende Raumplanung schert.

Dem Tipp des albanischen Zöllners folgend suchen wir in Shkodra nach dem Restaurant Tradita und stoßen erstmals auf der Tour auf größere Sprachprobleme, aber es ist erstaunlich wie weit man mit Ahnung und Deutung des für unsere Ohren völlig unverständlichen Albanisch kommt. Das Essen in einem der wenigen noch erhaltenen Traditionshäuser ist exzellent und wird mit einer persönlichen Führung des Gastwirts durch seine private Sammlung von aufwändig gearbeiteten albanischen Trachten verbunden.

Shkodra liegt am Südufer des gleichnamigen Sees und gleichzeitig am Zusammenfluss von Drin, Kiri und Buna inmitten einer weitläufigen Ebene, die sich bis zu den blauen Bergketten im Osten Albaniens erstreckt. Die Burganlage Rozafa, die ursprünglich aus illyrischer Zeit stammt und von den Venezianern und später unter osmanischer Herrschaft ausgebaut wurde, liegt strategisch zentral auf einem Hügel inmitten einer Landschaft, die einem fast den Atem nimmt.

Auf der Burg erreicht uns der Anruf des Veranstalters des Jazzfestivals in Tirana, dass wir bereits zum Soundcheck in der 115 km entfernten Hauptstadt erwartet werden. Große Überraschung, hatten wird doch ein Konzert erst für den nächsten Tag vereinbart und rundum angekündigt – offenbar ein weiteres Kommunikationproblem mit Lücken und Hindernissen. Trotz des Zeitdrucks schaffen wir es noch einigermaßen rechtzeitig.

Der Veranstaltungsort des mehrtägigen Tirana Jazz Fest auf der Gartenterrasse des Sheraton Hotel ist bereits voll besetzt, auch mit Vertretern der österreichischen und deutschen Botschaft, der Handelsdelegation und der Entwicklungszusammenarbeit. Im Vergleich zu den vorhergehenden Konzerten finden wir uns hier in einem ungewöhnlich elitären Ambiente wieder, das auch für die krassen sozialen Unterschiede und verschiedenen Entwicklungsgeschwindigkeiten im Lande steht, mitten in einem von Bauboom, Verkehr und Geschäftigkeit geradezu bebenden Tirana.

Slavko meistert die ungewohnte Moderation in Englisch wie bereits vor Jahren in Zimbabwe und Mosambik praktiziert, dennoch geht halt der gewohnte Schmäh ab. Die Performance und das Repertoire der Tschuschenkapelle kommen trotz der offensichtlichen Reisemüdigkeit auf den Gesichtern auch hier gut an und wird dem Anlass entsprechend noch stärker jazzig angelegt. Im zweiten Set kommen dann mit dem künstlerischen Leiter des Festivals und Musikpädagogen Fatos Qerimaj und seinem über 70 Jahre alten Vater Hetem auf der Geige (mit keyboard Unterstützung) exzellente einheimische Musiker mit auf die Bühne. Die folgende jam session löst Begeisterung aus - auch wenn das keyboard die Melange etwas versulzt - und dauert bis nach Mitternacht. Nach übereinstimmendem Urteil von Veranstalter und Publikum also ein würdiger Abschluss des Jazzfestivals – und ein weiterer Höhepunkt der Sevdah Transversale. Sevdah und der Balkan Blues sind eben auch hier in Albanien ein Begriff.

Durch die überraschende Vorverlegung des Konzerts kommt die Tschuschenkapelle zu einem wohl verdienten Ruhetag, der der Erholung und Besichtigung von Tirana gewidmet wird, bevor es zur letzten Etappe nach Zagreb weitergeht.

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Bijelo Polje relaxed

Juli 9th, 2008 by admin

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Dienstag, 8.Juli

Die kühle Höhenluft von Bijelo Polje verschafft uns einen relaxten Tag woran die hervorragende Gastfreundschaft des Kulturzentrums unter Direktor Tufik Bojadzic und die Betreuung durch den Organisator Samir Zaimovic wesentlichen Anteil hat.

Nach der Besichtigung des Kulturzentrums, wo abends das Konzert stattfinden wird, besuchen wir das Museum auf dem Hügel über der Stadt. Die interessante Führung spannt den Bogen von den frühen illyrischen Einflüssen vom Mittelmeer her über die kriegerischen Kapitel der Geschichte bis zu den traditionellen Musikinstrumenten, wie der Gusle und ihrer Darstellung in der zeitgenössischen Malerei. Zwischendurch stürmen die Musiker der Tschuschenkapelle einen CD Laden, der wohl das Geschäft des Monats macht, und flanieren durch die Parks und die Fußgängerzone der eher gemächlichen und beschaulichen Kleinstadt.

Abends kommt der österreichische Botschafter Florian Raunig mit Frau Sekulic-van-Twillert eigens zum Konzert aus Podgorica angereist und wird von Bürgermeister Tarzan Milosevic begrüsst. Der fast volle Saal des Kulturzentrums geht mit den Liedern der Tschuschenkappelle begeistert mit. Sowohl die jazzigen Ausflüge als auch die Wienerlied Anklänge überraschen das altersmäßig bunt gemischte Publikum, werden aber sehr positiv aufgenommen - Ersteres quasi als eine Generalprobe für das Jazzfestival in Tirana.  Anschliessend lädt der Bürgermeister zu einem späten Abendessen, das man nur mit der entsprechenden Menge Raki verträgt. 

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Durch die Schluchten des Balkan

Juli 8th, 2008 by admin

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Montag, 7. Juli

Endlich ist nach dem gestrigen Konzert Ausschlafen angesagt für die Tschuschenkapelle. In der Hitze des frühen Nachmittags ist dann aber leider der Aufbruch unvermeidlich. Es geht zuerst noch ein paar Kilometer der Küste entlang bis die Strasse Richtung Osten ins Landesinnere abbiegt und ein Tunnel durch den ersten Gebirgszug führt. Dahinter durchquert die Strasse das weitläufige Naturschutzgebiet an den nördlichen Ufern des Shkodrasees bevor wir bald darauf die montenegrinische Hauptstadt Podgorica erreichen.

Dort hat der österreichische Botschafter Florian Raunig aus Anlaß der Sevdah Transversale zu einem Empfang in den Garten der Botschaft eingeladen. Wir sind etwas früher da, wie die Brötchen, die in der Nachmittagshitze dahin welken. Na, die Tschuschen putzen vorsorglich gleich einmal ein paar Tableaus leer, bevor sich die Runde der Ehrengäste (und später auch die Fliegen) darüber her machen. Mit einem Ständchen auf dem grünen Rasen bedankt sich die Tschuschenkapelle schließlich für die Unterstützung der Balkan Tour durch die Botschaft.

Es ist schon früher Abend als wir weiterfahren Richtung Bijelo Polje im Nordosten des Landes, einer entwicklungsmäßig gegenüber den Küstengebieten eher vernachlässigten Region. Die Distanz auf der Karte von gut 110 Kilometern täuscht, denn gleich hinter Podgorica führt die (auch mit EU Mitteln) gut ausgebaute Strasse in die gewaltigen Schluchten der Moraca Klisura. Während sich tief unten die klaren Wasser schlängeln klettert am rechten Berghang die Eisenbahn hoch und höher als die Strasse und überspannt mit zahlreichen Viadukten die Schluchten und Seitentäler. Schließlich klimmt auch die Strasse steil den Talgrund bis über tausend Meter hoch, zum Glück streckenweise dreispurig, sonst wäre an den zahlreichen Fernlastern kein Vorbeikommen möglich.

Im Blick zurück von der Paßhöhe Crkvine ergibt sich in der Abenddämmerung ein beeindruckendes Panorama von Schluchten und Berggipfeln, die mit dem Stozac oder Babin Zub bis über 2000 Meter aufragen. Das Gebiet ist aber weit weniger besiedelt als die Alpentäler, nur vereinzelt sind Gehöfte und steile Bergmähder auszumachen, was der Gegend einen wilden, fast entrückten Charakter verleiht. Es ist schon halb zehn als wir endlich das knapp 600 Meter hoch gelegene Bjelo Polje erreichen, immerhin die drittgrösste Stadt Montenegros. Bjelo Polje heisst weisses Feld und bezieht sich auf die meist fruchtbareren Mulden im Karstgebirge.

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Zu Gast bei der “Roten Kommune” Petrovac

Juli 7th, 2008 by admin

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Sonntag, 6. Juli

Petrovac liegt an der montenegrinischen Steilküste in einer von Felsklippen umschlossenen Bucht mit einem kleinen Fischerhafen und zwei vorgelagerten Inselchen als markante und malerische Konturen. Der Ort hat das Jahr über kaum 1300 EinwohnerInnen, explodiert aber förmlich in der Sommersaison um Tausende Touristen, die sich auf dem engen Sandstrand und an der Uferpromenade drängen. Während früher vor allem Gäste aus Österreich, der Schweiz und Deutschland kamen, dominieren jetzt die Montenegriner aus dem Hinterland, Serben und Russen das Völker- und Sprachengewirr. Angeblich steht auch vornehmlich russisches Kapital hinter dem Immobiliengeschäft und dem Bauboom entlang der Küste.

Petrovac hat aber auch ein sehr eigenwilliges Kapitel Geschichte geschrieben als hier 1918 die erste kommunistische Vereinigung entlang der adriatischen Küste gegründet würde, die Crvena Komuna, die Rote Kommune Petrovac. Bezeichnender Weise geschah dies also nicht etwa durch Fischer, Werftarbeiter oder andere proletarische Gründungsväter, sondern durch eher bürgerliche Angehörige der Gemeinde, die enthusiastisch dem Vorbild der Oktoberrevolution folgten und sich damit gegen das jugoslawische Königshaus auflehnten. So gehörte dem ersten Vorsitzenden Savo Vukovic, der 1941 von den italienischen Faschisten umgebracht wurde, halb Petrovac.

Heute ist das renovierte Gebäude der Roten Kommune das Kulturzentrum des Ortes, mit einer geschichtlichen Ausstellung, zwei Kunstgalerien und bald auch einem Kino. Niko Perazic ist der agile Direktor der Einrichtung JUSD “Crvena Komuna” Petrovac, der mit Vinko Mihajlovic von der Nevladina organizacija “Urbani Kult” unser Konzert hier bestens organisiert und ermöglicht hat. Danke! Mehr zum historischen Hintergrund und Programm auf www.crvenakomuna.com

Gleich neben der Roten Kommune befindet sich direkt an der Esplanade das Amfiteatar, ein kleiner Platz, auf dem Open Air Veranstaltungen über die Bühne gehen. So wie das Konzert der Tschuschenkapelle heute, zu dem sich um 10 uhr nachts von allen Seiten die ZuschauerInnen drängen und das gleich von drei privaten Fernsehstationen aufgenommen wird.

Das Interesse an der “Sevdah Transverzala 2008″ ist hier jedenfalls groß, es wird ausführlich nachgefragt und erklärt. Und das Repertoire der Tschuschenkapelle hat für fast jede/n etwas zu bieten; jedenfalls wird eifrig geklatscht, mitunter sogar mitgesungen und heftig getanzt. Nur einer finnischen Touristin gefallen die Wienerlieder nicht, die erinnern sie an die deutschen Besatzer im 2. Weltkrieg. Mit dieser Kritik oder Empfindlichkeit hätten wir hier allerdings am wenigsten gerechnet. Jedenfalls lässt sich die Besucherin zum anschliessenden Cocktail in die Rote Kommune einladen, wo der Abend beschaulich mit Improvisationen von Hidan am Klavier ausklingt, während in den Clubs nebenan “Russendisko” angesagt ist.

Koncert grupe Wiener Tschuschenkapelle

06.07.2008.

Obavještavamo Vas da je povodom Evropske godine interkulturalnog dijaloga 2008,Ambasada Republike Austrije u Crnoj Gori i Regionalni Ured Austrujske koorporacije za nauku , obrazovanje i kulturu sa sjedištem u Sarajevu,Nevladino Udruženje ,,Urban Kult“ i JUSD“Crvena Komuna“,održan koncert grupe ,,Wiener Tschuschenkapelle u nedelju, 6 jula 2008 u 22 h u amfiteatru Spomen Doma „Crvene komune“ u okviru turneje Sevdah Transverzala 2008

Fotografije sa koncerta možete pogledati ako kliknete ovdje.

source: http://www.crvenakomuna.com/index.php?strana=novosti

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Von Mostar nach Petrovac: 10 Stunden 4 Grenzen

Juli 7th, 2008 by admin

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Samstag, 5. Juli

Es wird ein früher Aufbruch in Mostar um die Fahrt entlang der Neretva und vor allem der dalmatinischen Küste geniessen zu können. Nach den ausgedehnten Gemüsefeldern, Weingärten und Obstplantagen im fruchtbaren Flussdelta endlich der Ausblick auf die tiefblaue Meerenge vor dem langgestreckten Bergrücken des Peljesac. Die ersten Grenzübertritte - aus Bosnien nach Kroatien und für den Korridor von Neum wieder kurz durch bosnisches Territorium - gehen dank Slavko’s charmanter Konversation mit den Grenzbeamten erstaunlich flott vor sich, so wie die Fahrt entlang der Küstenstrasse, an der sich Fischerorte und Touristenanlagen abwechseln. Es wird zunehmend heisser, aber den Sprung ins Meer schieben wir auf um Zeit für eine wenigstens kurze Besichtigung von Dubrovnik zu gewinnen, das selbst in der ärgsten Mittagshitze vor lauter Touristen brodelt. Von Hunderttausenden BesucherInnen der Weltkulturerbe-Stadt jährlich blank geschliffen sind die Steinplatten der Gehwege rutschig wie ein glattes Parkett. Nur die engen Gassen zwischen den alten Wohnhäusern, Palästen und Kirchen bieten etwas Kühlung. Slavko trifft unter den Menschenmassen am Obstmarkt zufällig einen Standler, der aus einem Nachbardorf in Slawonien stammt. Am Eingangstor zeigt er mir den Übersichtsplan der Stadt, auf dem alle Objekte gekennzeichnet sind, die beim Angriff der serbischen Truppen zerstört oder beschädigt worden sind.

Weiter geht es Richtung Montenegro bis zum kilometerlangen Stau vor der Grenze, in dem sich trotz sengender Hitze und Steigung fast gar nichts mehr bewegt. Schließlich brauchen wir über drei Stunden um über diese Grenze zu kommen, wobei sich die kroatischen und montenegrischen Zöllner an demonstrativer Langsamkeit und Ignoranz gegenseitig zu überbieten scheinen. Unmutig darauf angesprochen wird mit “Verbrechensbekämpfung” und “Weisung von ganz oben” argumentiert. (Erst später erfahren wir, daß der Anlaß für die übergenauen Kontrollen der laufende Staatsbesuch des kroatischen Präsidenten Stipe Mesic bei seinem montenegrinischen Amtskollegen war).  Die überdimensionierten Abfertigungsgebäude und eine Anzahl von Beamten, die einfach nur zwischen den wartenden Autoschlangen herumschlendern oder -sitzen komplettieren das Bild eines monströsen Anachronismus mitten in Europa. Eine CD der Tschuschenkapelle rettet uns schließlich davor, auch noch Gepäck und Instrumente auspacken zu müssen. 

Es ist schon später Nachmittag bis wir endlich die Bucht von Kotor erreichen und umrunden, ein stimmungsvolles Naturschauspiel der Sonderklasse. Für den geplanten Stopp in Perast gegenüber der mystischen Toteninsel oder in der Altstadt von Kotor bleibt keine Zeit mehr. Gerade noch ein Blick auf die verrostete Brücke der k.u.k. Eisenbahn, die Wien in sieben Tagesreisen mit Zelenika hier in der Bucht von Kotor verbunden hat. Endlich erreichen wir die offene Adriaküste bei Budva und schließlich in der Abenddämmerung unser Quartier in Petrovac.   

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Das geteilte Mostar

Juli 6th, 2008 by admin

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Freitag, 4. Juli

Es ist die Zeit zum Aufbruch und Abschied von Sarajevo gekommen. Die Tagesetappe führt mit Ausblicken auf die Berggipfel der Bjelasnica und später entlang der teilweise gestauten, teilweise in tiefen Schluchten versteckten Neretva ins 130 Kilometer entfernte Mostar. Auf halbem Weg erwartet uns kurz nach Jablanica das Paradies der Lammgrillerei, wo sich auf riesigen Rostanlagen bis zu zehn Tiere gleichzeitig am Spiess drehen. Sicher kein Anblick für Vegetarier oder Tierschutzfanatiker aber eine Empfehlung für jeden Feinschmecker.

Mostar empfängt uns mit Gluthitze. Der Besuch an der alten Neretva Brücke, die inzwischen rundum touristisch eingekitscht ist, mutet eigenartig an. Ist doch die Stadt noch viel stärker als Sarajevo von den Spuren des Krieges gezeichnet, mit hochaufragenden Brandruinen überall und dem muslimischen Friedhof mitten am Stadtplatz im östlichen Stadtteil, auf dem reihenweise eine ganze Generation von Heranwachsenden begraben liegt, die meisten mit der Jahreszahl 1993 auf dem Grabstein, als der Krieg zwischen kroatischen und muslimischen Einheiten hier kulminierte und die jahrhundertealte Brücke der Verbindung zwischen den Stadtteilen weggeschossen wurde.

Die Stadt ist noch immer geteilt, aber das Alltagsleben schafft Verbindungslinien, trotz der Fundamentalisten auf beiden Seiten (vereinzelte Ganzkörperschleier hier, Megakreuze auf dem Berghang dort). Die Leute brauchen einander zum Leben; oder wie es eine Geschäftsfrau in Sarajevo formuliert hat: „vom Krieg reden nur noch die Touristen, uns interessiert die Zukunft der Stadt“.

Eine Plattform der Verständigung besonders für junge Leute bildet da das Kulturzentrum OKC Abrasevic, das gerade ein interkulturelles Tanz- und Theaterfestival abhält. Die Tschuschenkapelle zieht es aber eher auf den Hauptplatz, wo heute abend die Kollegen von der Mostar Sevdah Reunion im Rahmen eines grossen bosnisch-serbisch-norwegischen Kulturaustauschprogramms aufspielen. Da ist natürlich Stimmung garantiert und die ungebrochene Popularität der Sevdah keine Frage, auch wenn die Mostar Sevdah Reunion (die sich unlängst in eine lokale und eine europäische Variante aufgespalten hat) für unseren Eindruck musikalisch etwas zu flach herüberkommt.

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Konzert der Tschuschenkapelle im Gastgarten des Kolobara Han

Juli 6th, 2008 by admin

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Donnerstag, 3. Juli

Das Hauptereignis dieses Tages, wenn nicht der Tour überhaupt ist das heutige Open Air Konzert im Gastgarten des Kolobara Han mitten in der Altstadt von Sarajevo und unter den Augen eines fachlich besonders versierten Publikums. Die Tschuschen bereiten sich am Nachmittag mit einer Probe und gut überlegten Choreografie darauf vor. Nach dem Soundcheck sind sie noch ins Büro von Husein Kurtagic und seiner bosnischen Musikervereinigung eingeladen und besuchen kurz die Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Rahmen des Festivals, während sich der Himmel verfinstert und ein Gewitter Abkühlung bringt.

Überall hängen inzwischen (mit Verspätung, wie auf der website) Plakate, die das Konzert ankündigen. Darauf sind alle Herkunftsländer der Mitglieder der Tschuschenkapelle angeführt – außer Jovan’s Heimat Serbien – was zu kontroversiellen Spekulationen führt, ob das mit Absicht oder aus Unaufmerksamkeit geschehen ist. Jovan ist zumindest irritiert.

Vor vollem Gastgarten steigt dann das Konzert mit der Begrüßung durch den Festivaldirektor Prof. Kuburovic und professioneller technischer Betreuung. Unter den Ehrengästen wird neben Husein Kurtagic mit seiner Frau und den VertreterInnen der Österreich Kooperation OEK, Samira Seferovic und Mirna Balagija, der Sohn von Jovica Petkovic, Branko, besonders herzlich empfangen. Das Repertoire kommt gut an, wie auch die launige Moderation von Slavko, und wird mit starkem Applaus bedacht. Da es inzwischen im Freien doch stark abgekühlt hat geht es zur Nachfeier in die berühmte Pivnica von der Sarajevoer Brauerei (und angeblich wird auch noch in einem Club bis in den morgen weitergefeiert).

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Sevdah: bitter wie schwarze Galle

Juli 6th, 2008 by admin

Donnerstag, 3. Juli

In der Zeitung Dnevni avaz erscheint ein grosser Beitrag aus Anlaß des gestrigen Empfangs im Sevdah Art House. Er handelt aber weniger von der Tschuschenkapelle und dem bevorstehenden Konzert, sondern bezieht sich auf das mit Sejo Pitic am Vortag geführte Interview, in dem dieser sehr verärgert ist, oder vergällt - einer alten Interpretation von Sevdah folgend, wonach sie “schwarze Galle” bedeutet.

Als einziger der Sevdah Veteranen, der aus Sarajevo selbst stammt, ja keine 50 Meter vom Sevdah Haus geboren wurde, ist ihm nämlich darin kein Platz gewidmet. Er beklagt sich bitter, daß er nach über 40 Jahren, in denen er in dieser Stadt die Sevdah Musik gepflegt und geprägt hat nun in diesem Museum nicht gewürdigt wird.

Die Sevdah Transversale ist also auch ein Anstoß den Stellenwert ihrer zeitgenössischen Interpreten zu überprüfen.

Pitic greift im Interview sogar den Kulturminister des Kantons Sarajevo wegen dessen Herkunft aus Tuzla an, so als ob die Wahrnehmung von Kulturagenden von der lokalen Abstammung abhängig wäre. Die Intention der Sevdah Transversale ist es hingegen, das über die territoriale Zuordnung hinaus Verbindende aufzuspüren - mitunter auch in solchen Empfindlichkeiten. Pitic hat jedenfalls auch Grund zur Freude indem er betont, daß die Österreicher mit ihrer Einladung seinen Wert anerkannt hätten, anders als anscheinend die lokale Kulturpolitik.

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Morgenstimmung

Juli 4th, 2008 by admin

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3. Juli. Es ist sechs Uhr früh und ich mache mich vom Hotel auf einen Spaziergang entlang der Strassentangente, die südlich der Stadt dem Hang entlang führt und ein friedliches Panorama von Sarajevo im ersten Sonnenlicht eröffnet. Hier am Stadtrand sind viele Wohnblocks noch von den Einschlägen der Gewehrsalven gezeichnet, die von der Hügelkette im Rücken offenbar blindwütig abgefeuert wurden, gleichgültig wen es in der ethnisch gemischten Stadt wirklich trifft.

Nach ein paar Kilometern stosse ich auf den verlassenen und dem Verfall preisgegebenen Friedhof der Chewra Kadischa, der sefardischen Gemeinde von Sarajewo, nach Prag ist das der zweitgrösste jüdische Friedhof in Europa. Die sefardischen Juden wurden durch die Inquisition Ende des 15. Jahrhunderts aus Portugal und Spanien vertrieben und haben sich rund ums Mittelmeer und bis in die Levante oder in Polen angesiedelt und sowohl das lokale Kulturleben bereichert und absorbiert, als auch weiterhin untereinander regen Austausch - im altspanischen latin - betrieben, was sich im reichhaltigen sefardischen Liedgut äussert. Ähnlich den Roma und Sinti ein Beispiel des kreativen Wechselspiels von Tradition und Entwicklung, von Herkunftsregion und Diaspora. 

Im zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde von Nazi-Schergen und Ustascha-Faschisten fast völlig vernichtet, 1941 die Synagoge niedergebrannt. Bei der Belagerung von Sarajevo in den 90er Jahren sind die letzten Überlebenden geflüchtet. Der Friedhof verfällt, so als ob es “bloss” jüdisches Kulturgut und nicht Kulturerbe der ganzen Stadt wäre. Auf dem Weg in die Stadt besucht auch die Tschuschenkapelle diesen Ort der Erinnerung.

Davor werden die Tageszeitungen mit Ankündigungen des Konzerts am Abend studiert, während Mitke in die CD mit 150 Sevdah Titeln hineinhört, die er tagszuvor um 2 Euro erstanden hat. So billig wird hier die Sevdah raubkopiert und gehandelt. In der Zeitung findet sich auch die Abbildung des ethnischen Fleckerlteppichs im Land und der entsprechenden Herausforderung an Verständigung, die Bosnien und Herzegowina prägen.  

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Empfang im Sevdah Museum

Juli 4th, 2008 by admin

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Mittwoch, 2. Juli

Heute hat Botschafter Dr. Almhofer mit Unterstützung von Samira Seferovic und Mirna Balagija von der Österreich Kooperation OEK und moderiert von Natasa Mirkovic-DeRo zu einem Empfang in das erst im Mai eröffnete Sevdah Kuca oder Sevdah Art House in der Altstadt nahe der Vijecnica eingeladen. Es ist aufwändig und geschmackvoll eingerichtet aber doch mehr Weihestätte für die Ikonen der Sevdah Musik als ein Museum mit umfassender, überregionaler Hintergrundinformation. Jede Personale verfügt unter gemeisselten Namenslettern über einen eigenen flatscreen auf dem aber überall dieselbe schwarz-weiss Doku mit Biografie und Musikausschnitten läuft.

Einige der Sevdah Stars, die am Vortag an der Sevdah Begegnung im Trotzhaus teilgenommen haben, sind wieder dabei, wie Emina Zecaj, Hanka Paldum, Husein Kurtagic oder Sejo Pitic. Es ist ein interessantes who is who, wenn man die Filmszenen im Rundgang des Museums mit den Gesichtern der Ehrengäste im Innenhof vergleicht, oder das Bild von Jovica Petkovic auf der ihm gewidmeten Hommage mit dem gebrechlichen Eindruck vom Auftakt im “Sarajevo” in Wien . Die grande dame Zehra Deovic ist heute auch dazu gekommen, etwas wehleidig zwar - das scheint die Grundstimmung der Sevdah Veteranen zu sein - aber doch.

Das staatliche Fernsehen RTVF und Radio, sowie Festivaldirektor Prof. Kuburovic sind auch da, als der Botschafter die Gäste begrüsst und die Tschuschenkapelle in Sarajevo willkommen heisst. Die holen dann sogar noch die Instrumente aus dem Hotel um für das Fernsehen eine Probe ihres Könnens als Vorgeschmack für das morgige Konzert zu geben.

Inzwischen verabschieden wir das Filmteam - bis zum Finale in Zagreb. Wolfgang, Ina und Walter - Danke und guten Flug!

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Sevdah Sijelo

Juli 2nd, 2008 by admin

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Der Tag steht im Zeichen der Begegnung mit lokalen Interpreten der Sevdah Musik aus verschiedenen Generationen und Strömungen. Der Ort könnte kaum passender gewählt sein - die Inat Kuca, das Trotzhaus auf der anderen Flußseite gegenüber der Vijecnica, dem unter k.u.k. Zeiten im maurischen Stil erbauten Rathauses und der späteren Nationalbibliothek, die während der Belagerung wohl gezielt als Zeichen der interkulturellen Verständigung in Brand geschossen wurde. 2 mio Bücher und wertvolle historische Dokumente gingen dabei in Flammen auf und es regnete stundenlang Asche auf die Stadt. Trotzhaus - weil das Haus dem Bau einer Brücke über die Miljacka weichen sollte, aber der Besitzer sich solange weigerte bis es Stein um Stein abgetragen und auf der anderen Flußseite wieder errichtet wurde. Der Trotz steht für den Eigensinn und die Widerständigkeit der Bewohner der Stadt.

Natasa Mirkovic-DeRo, die bosnische Sängerin und Musikethnologin aus Wien, die uns hier in ihrer Heimatstadt führt, hat ganze Arbeit geleistet und die Creme der Sevdah Szene zusammengeführt: von den Ikonen der Sevdalinke wie Emina Zecaj, Sejo Pitic, Sazspieler Himzo Tolic und seinen kongenialen Sänger Hasim Jatic, den Komponisten Husein Kurtagic über quer durch den Balkan gefeierte Stars wie Hanka Paldum bis zur jüngeren Generation wie Amira Medunjanin oder Musikstudenten wie Vanja Muhic (und das sind längst nicht alle).  Es entsteht ein tolles Fest, ganze 5 Stunden wird in allen möglichen Besetzungen Sevdahmusik zelebriert, wobei die Tschuschenkapelle mit einigen Liedern das Fest eröffnet und damit die Latte hoch legt. Zug um Zug präsentieren die MusikerInnen ihre Lieder und unterschiedlichen Ansätze, wobei das Ambiente, sowie Küche und Keller der Inat Kuca sehr förderlich wirken und das Zusammenspiel inspirieren. Das ist zweifellos ein Höhepunkt der Tour bisher.

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Sarajevo calling

Juli 2nd, 2008 by admin

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Montag, 30. Juni
Beim Flug von Skopje nach Sarajevo sehen wir tief unten die Schluchten und Stausseen des Drin. In der Ferne ist der Shkodrasee zu erahnen und deutlich leuchten die Schneefelder des Durmitor von der Grenze zu Montenegro herüber. Dann ziehen wir schon die Schleife zum Landeanflug auf Sarajevo mit seiner unvergleichlich imposanten Lage zwischen den Bergketten, die gleichzeitig an den Belagerungsring erinnern, mit dem die Stadt jahrelang von den Truppen der bosnischen Serben unter den immer noch flüchtigen Befehlshabern Mladic und Karadzic eingeschlossen war.

Der Kleinbus vom Österr. Kooperationsbüro OEK wartet bereits und bringt uns über die imposante Marschall Tito Avenue ins Stadtzentrum. Die Baukräne überall, die Reklametafeln und Headquarters der internationalen Konzerne, das Verkehrsgewühl auf den Straßen vermitteln den Eindruck der „Normalität“ modernen Großstadtlebens. Nur vereinzelt sind an den Fassaden noch die Spuren des Krieges und der Belagerung der Stadt zu sehen.

Das vorgesehene Quartier im City Hostel erweist sich leider als nicht adequat. Mit 400kg Gepäck sind die drei Stockwerke ohne Lift nicht zu machen und die 4-Bettzimmer und Sanitäranlagen am Gang sind auch nicht jedermann/frau Sache. Nach kurzem Aufruhr auf der Gasse vor dem Haus und hektischem Parlieren und Telefonieren gibt’s ein Ersatzquartier am Stadtrand. Nach einem Essen im dortigen Gastgarten und einem ersten Treffen mit Samira und Mirna vom OEK geht’s dann zu den Quellen der Bosna, einem Naturschauspiel der Sonderklasse im alten Kurort Ilidza (auch Kaiser Franz Josef hat hier Erholung gesucht), wo sich bei klarer Luft und frischem Quellwasser die Gemüter endgültig beruhigen.

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Skopje im finalen EURO 08 Fieber

Juli 2nd, 2008 by admin

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Sonntag, 29. Juni

Unausgeschlafen wirkt die Morgensonne am Skopje airport doppelt grell. In der Ankunftshalle ein riesiger Plastikkopf von Alexander dem Grossen, nach dem der Airport benannt ist und der die Rolle einer historischen Identifikationsfigur für das kleine Land spielt. Vielleicht wird aber derzeit eher seine imperiale Seite betont und weniger die der interkulturellen Verständigung, die er mit der Heirat der Tochter eines anderen Stammesfürsten vorgelebt hat. Jedenfalls fällt auf den Berghügeln über der Stadt gleich ein riesiges Kreuz ins Auge, das wir später noch in die Nacht Strahlen sehen: ein Monument der ethnisch-religiös fixierten Identitätspolitik, die den Leuten hier das Zusamenleben schwer macht.

Der neue Stadtkern wirkt modern – er wurde nach dem schweren Erdbeben, das 1963 über 3000 Todessopfer gefordert hat komplett neu aufgebaut. Auf der Uhr am ehemaligen Bahnhofsgebäude, das jetzt Museum ist, stehen die Zeiger noch unverändert auf 05h13, dem Zeitpunkt des ersten Bebens.

Die Burg auf der anderen Seite des Vardar Flusses wurde damals weitgehend zerstört, aber nicht restauriert und der alte osmanische/albanische Stadtteil darunter hat auch viel von seiner einstigen Ausstrahlung eingebüßt. Hier und weiter im Norden lebt die größte Roma- und Sinti Gemeinde Europas und kämpft mit massiven sozialen Problemen und Ausgrenzung. Die belebte Esplanade diesseits steht für den raschen Wandel in der Zusammensetzung einer Gesellschaft, die sich in ihrer Zusammensetzung im Gefolge der jüngsten Balkankriege rapide verändert hat.

Der Hauptplatz ist heute Schauplatz des ersten großen public viewing zum Finale der EURO 2008. Vorher tritt die Tschuschenkapelle auf einer riesigen Open air Bühne auf. Alles ist perfekt vom lokalen Veranstalter organisiert und von der österreichischen und schweizerischen Botschaft unterstützt. Anfangs ist die Hitze auf dem Platz noch groß und der Andrang des Publikums hält sich in Grenzen. Die Mozartkugeln, die am AUA Stand verschenkt werden, machen schwere Konkurrenz. Aber mit der Zeit gewinnt die Tschuschenkapelle das Match um die Aufmerksamkeit, auch weil sie ein ausgewogenes Repertoire spielt, das das ganze musikalische Balkan Spektrum anspricht. Einige Roma tanzen  dazu. Leider ist für Zugaben nicht mehr Zeit, der Anpfiff des Finales setzt den Schlusspunkt und die Spanier übernehmen eindeutig die Stimmungsmache und die Sympathien der Menge.

Ein großes Dankeschön für die hervorragende Organisation und Betreuung durch das Team von Botschafter Kraut und Sabine Kernthaller, mit Ana, Robert (vom ADA KoBü) und all den anderen!

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Late And Maybe

Juni 29th, 2008 by admin

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Samstag, 28. Juni, 21h30: Geradezu pünktlich sind wir heute mittags vom Hotel Palace weg gekommen zum Flughafen von Belgrad – nur um dort zu erfahren, dass unser JAT-Flug gestrichen worden ist. Man hat uns umgebucht auf den Abendflug mehr als sechs Stunden später! Damit werden wir den aus Anlass der Tour von Botschafter Kraut gegebenen Abendempfang mit Grillfest in der österreichischen Botschaft in Skopje nicht mehr erreichen, aber wir vereinbaren später gegen 23h00 doch noch hinzukommen.

Der Nachmittag vergeht schleppend in einem nahe gelegenen, schattigen Gastgarten – immerhin nicht im Flughafenkomplex. Zumindest erreichen wir von Seiten der JAT wieder ein Entgegenkommen mit dem Übergepäck, das inklusive Fernsehcrew von ORF/Fischerfilm über 150kg ausmacht. Zur Check-in Zeit ist dann der Flug nochmals um eine Stunde verschoben worden und wir sind an die Zimbabwe/Mosambik Tour der Tschuschenkapelle vor 12 Jahren erinnert: da ist uns von den Einheimischen gesagt worden, dass LAM – lineas aeras de Mocambique – eigentlich „late and maybe“ bedeutet.

Sonntag, 29.Juni, mittags: hallo natasa, hallo samira (nach Wien und Sarajevo)

melde mich aus skopje, wo wir endlich (!!) heute früh um 6h00 gelandet sind nachdem der erste und der zweite flugversuch gestern von der ex-jugoslawischen JAT gecancelt wurde (mit chaotischen szenen und schreiduellen am airport aufgrund der aufgebrachten passagiere) und wir zuerst nach mitternacht ins total schäbige hotel slavia zurück ins stadtzentrum transportiert wurden (mit unseren 350kg gepäck! schlepp, schlepp rein raus) und um 3h00 dann wieder zum airport belgrad. jetzt habe ich gerade einmal 2 - 3 stunden geschlafen und bin wieder am laptop. am nachmittag gibt’s hoffentlich nochmals etwas ruhe.

Liebe Grüße aus skopje

peter

Das sind halt die Hochs und Tiefs einer Balkan Tournee. Nach der Rast der Band und mit etwas zeitlichem Abstand wird wohl auch diese Nacht als “Abenteuer” in die Annalen der Tschuschenkapelle eingehen – wie LAM und Chimoio!

Unglaublich wie desorganisiert die staatliche JAT ist. Gleichzeitig bin ich froh, dass sie bei dreimal einchecken bisher letzlich - mit viel Charme und Überredungskunst - immer alle Augen beim Übergepäck zugedrückt haben. Das wäre sonst verdammt teuer gekommen, also können wir sie schon als heimlichen Sponsor anführen! Aber gut auch, dass das der letzte Flug mit JAT auf dieser Tour war: bei dem alten Gerät ist man froh wenn wenigstens beim Fliegen und Landen alles glatt geht. Da klatschen nicht nur die Chartertouristen.

Was unterwegs sonst noch auffällt: diese umständliche Kleinstaaterei auf dem Balkan mit so vielen neu geschaffenen Grenzen und Währungen und Uniformen und verschiedenen Bürokratien. Was für ein Segen ist da die Perspektive der EU Integration, aber die Nachrichten von „daheim“ verheißen in diese Richtung aktuell ja nichts Gutes.

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Belgrad, wir müssen Dich lassen…

Juni 28th, 2008 by admin

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Wir sind schon wieder beim Kofferpacken für den Flug am nachmittag nach Skopje. Grad hätten wir uns anfreunden begonnen mit der Stadt am imposanten Zusammenfluß von Save und Donau; obwohl ihr nicht nur Slavko ursprünglich sehr gemischte Gefühle entgegen gebracht hat.

Gerade sind wir vom live Auftritt im serbischen Frühstücksfernsehen zurück, natürlich playback for bizarrer Wohnzimmerkulisse. Und nebenan die Ruine der ursprünglichen Sendeanstalt, die wie ein trotziges Fanal gegen den NATO Luftangriff am Ende des Krieges stehen gelassen wird.

Gestern abend war der erste Konzerthöhepunkt auf Deck der “Leonardo” am Save Ufer mit Blick auf die geschichtsträchtige Festung, Grenzlinie zwischen Osmanen, Serben und Kroaten und anderen vergeblich getrennten, sich bekämpfenden und immer wieder friedlich vermischten Völkerschaften.

Slavko war die Nervosität anzumerken wegen der ungewohnten Moderationssprache, aber dann lief die Band zur Höchstform auf und begeisterte das Publikum mit ihrem breiten Repertoire und musikalischer Virtuosität. Mitgesungen und geklatscht wurde fast wie beim Auftritte der Tschuschen “daheim” auf der Donauinsel. Höchst zufrieden und begeistert auch die Partner von Shira u’tfila, die wir erst vor wenigen Wochen fast durch Zufall im Wiener Cafe Berfin kennen gelernt haben und die hier das EthnoFusionFest ausrichten. Schade dass sich von der ÖB und dem ÖKF niemand hat blicken lassen. Tagsüber schon und erst recht beim Konzert hat es für die Tschuschen aus Wien viele berührende Begegnungen mit hier lebenden Familienangehörigen und Freunden gegeben. Das ist ja auch ein wichtiger Schwerpunkt der Tour nebst den Kontakten zu den lokalen Musikgrössen des Balkan.

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Ein Notenwechsel der anderen Art

Juni 28th, 2008 by admin

Sehr geehrte Frau Jankovic,
sehr geehrte Frau Komadina,

zuerst einmal möchte ich mein Bedauern ausdrücken, dass es wegen der Veranstaltung im Restaurant / Club Black Panter gestern zu einiger Enttäuschung gekommen ist. Allerdings möchte ich doch richtig stellen, dass von einem Konzert nie die Rede war. Wir haben zwei Auftritte vor größerem Publikum in Belgrad geplant, einen in der Roma Siedlung Mladenovac und einen heute abend beim FusionFest. Bezüglich Black Panter hat Frau Ljiljana Eric von der Botschaft auf der Hinfahrt ausdrücklich gesagt, dass die Haus-Combo für uns beim Abendessen aufspielt und die Musiker mitspielen können, wenn sie dazu in der Stimmung sind. Dazu ist es ja auch durch den Akkordeonisten Mito Sarlandziev reichlich gekommen. Die anderen Musiker waren nach einem langen Reisetag und dem Auftritt in der Abendsonne in Mladenovac müde. Ich denke, das ist gerade beim Auftakt einer langen, anstrengenden Tour zu respektieren.

Wir haben übrigens heute mittag mit Herrn Hiller und Frau Eric nochmals über die sehr gelungene Veranstaltung in Mladenovac gesprochen und uns für das Missverständnis hinsichtlich Black Panter entschuldigt.

Darf ich Sie herzlich zum Konzert heute abends einladen!
Morgen früh wird die Tschuschenkapelle außerdem live im serbischen Staatsfernsehen zu sehen und hören sein.

mit freundlichen Grüßen und nochmals bestem Dank für die Unterstützung

Peter Kuthan

Zitat von Mira.KOMADINA@bmeia.gv.at / Österr. Kulturforum Belgrad:

> Sehr geehrter Herr Kuthan,
>
> Ich bedaure sehr, dass sie gestern Abend das geplante Konzert im Restaurant
> “Black panther” nicht spielen konnten.
> Gäste der Botschaft waren anwesend und haben den Veranstaltungsort enttäuscht
> verlassen.
> Bedaure, dass wir in Zukunft nicht mehr zusammen arbeiten können.
>
> Dr. Anna Jankovic
>>
> Österreichisches Kulturforum Belgrad

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Auftritt in der Roma Siedlung Mladenovac

Juni 28th, 2008 by admin

dsc03046mercedes.JPGdsc03042stagelkw.JPGdsc03039kids.JPG Roma Siedlung Mladenovac - am BahndammEmpfang mit raki

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Belgrad interlude

Juni 27th, 2008 by admin

nach dem “heissen” Auftakt am Wiedner Gürtel hat uns die Hitze hier in Belgrad im Griff. Der Start war fast problemlos, mit Charme haben wir auch die 200 Kilo Übergepäck bei JAT kostenlos über die Rampe gebracht. Oliver Hiller und Ljiljana Eric von der Botschaft waren ein super Empfangskomitee mit einem Lunch im schattigen Gastgarten. Dann die Fahrt ins Hotel und kurz drauf gleich weiter über die Autobahn in die hügelige Umgebung von Belgrad nach Mladenovac, einem Vorort wo eine grössere Roma Gemeinde entlang der Bahngleise Unterkunft gefunden hat, neuerdings bedrängt von Grundstücksspekulation und Umsiedlern aus dem Kosovo.

Die Kulturinitiative der Gemeinde empfängt uns herzlich mit Raki und Tanzvorführungen. Die Tschuschenkapelle revanchiert sich mit einem Auftritt auf der Ladefläche eines LKW bis die Sonne hinter den nahen Industrieruinen untergeht.

Spät gehts dann in den Club Black Panter, ein legendäres Restaurant am Ufer der Save (und Drehort von Kusturica Filmen), wo sich ein paar Lichter im dreckigen Wasser am Ufer spiegeln. Mito trifft in der Hauscombo gleich auf Freunde aus der Zeit seiner “black diamonds” Kapelle und spielt mit ihnen auf. Leider trübt ein penetrantes keyboard und Schlagzeug die Stimmung. Und die Tschuschen sind gegen Mitternacht schon zu müde um noch voll einzusteigen, wollen ins Hotel. Fast ein Eklat mit enttäuschten Fans von der Botschaft.

Jetzt wartet der nächste Auftritt beim EthnoFusionFest, der alles wieder gutmachen wird. Respekt und Einfühlungsvermögen (diesmal auf Seiten des Publikums) wird also gleich einmal zu Anfang der Tour auf die Probe gestellt. Wie angekündigt: die Sevdah Transversale als Herausforderung. 

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Ursula Plassnik verabschiedet Wiener Tschuschenkapelle

Juni 27th, 2008 by admin

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Plassnik: “Musikalischer Europa-Dialog”  (Presseaussendung des BMeiA)

Außenministerin verabschiedet Wiener Tschuschenkapelle auf Balkan-Tournee

Wien, 25. Juni 2008 - “Die Wiener Tschuschenkapelle ist seit fast zwanzig Jahren ein unverwechselbares Symbol für das bunte kulturelle Miteinander in Österreich. So verschieden die Herkunft ihrer Mitglieder ist, so umfangreich ist auch das Spektrum ihrer Musik. Mit ihrer Balkan-Tournee tragen sie die Botschaft eines friedlich vereinten Europas in unsere Nachbarländer am Balkan”, so Außenministerin Ursula Plassnik beim Auftakt-Konzert zur Balkan-Tournee der Wiener Tschuschenkappelle im Restaurant Sarajevo. Von 25. Juni bis 15. Juli werden die Musiker rund um Slavko Niniæ Konzerte in Serbien, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien und Kroatien geben. 

“Die EU wächst und mit ihr auch die Vielfalt an Kulturen und Lebensformen. Kultur ist unverzichtbares Bindemittel der europäischen Integration. Sie stärkt das Verständnis und das europäische Zusammengehörigkeitsgefühl - unsere gemeinsame Identität”, so Plassnik, die fortfuhr: “Das Miteinander der Kulturen ist eine Lebensnotwendigkeit für den europäischen Kontinent. Es ermöglicht uns den Zugang zueinander auf einer tief gehenden Ebene und knüpft das Gewebe der Nähe und Vertrautheit in unseren Beziehungen. Kulturvielfalt leistet einen wesentlichen Beitrag zu einem in Freiheit vereinten Europa.” 

“Die Länder des Balkan sind integraler Bestandteil Europas. Das Friedensprojekt Europa ist erst vollendet, wenn auch sie in der Mitte der europäischen Familie angekommen sind. Daher setzen wir unsere Unterstützung für ihren europäischen Weg unbeirrt und kontinuierlich fort. Das hat sich auch nach der negativen Abstimmung über den Vertrag von Lissabon in Irland nicht geändert. Die Länder des Balkan, allen voran Kroatien, sind ungeschmälerte Teilhaber dieses europäischen Friedensprojektes. Sie werden jetzt sicher nicht zum Opfer des irischen Referendums. Dafür habe ich mich beim letzten EU-Gipfel ganz klar eingesetzt”, so die Außenministerin. 

Rückfragehinweis:
Bundesministerium für europäische
und internationale Angelegenheiten
Presseabteilung

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Statement von Slavko Ninić, Wiener Tschuschenkapelle, zum EJID

Juni 25th, 2008 by admin

Slavko Ninić als Botschafter des Europäischen Jahres des Interkulturellen Dialogs zum heutigen Auftakt der Balkan Tournee:

“Die weltweite Globalisierung, Arbeitsmigrationsströme, schnelle Verkehrsmittel, Internet, usw. bringen die Menschen mehr denn je in unserer Geschichte zusammen. Es ist unser aller Überlebensfrage, welcher Art dieses Zusammenrücken sein wird: begleitet vom gegenseitigen Misstrauen, Überheblichkeit, Rassismus und in der Folge gar Kriegen - oder zeigen wir Interesse für den „Fremden“, sind lernfähig und akzeptieren seine Andersartigkeit. Für Österreich, das in seiner Geschichte ein Vielvölkerstaat war und heute noch von diesem Reichtum profitiert, ist es allein aus Interesse an der Erhaltung des sozialen Friedens wichtig, dass wir uns für den zweiten Weg entscheiden. Deswegen sollen wir im Jahr des interkulturellen Dialogs 2008 mehr als sonst miteinander reden und tanzen, damit wir es endlich kapieren: So viel anders als ich, bist du ja gar nicht.”

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About SEVDAH TRANSVERSALE 2008

The roots of the musicians of

WIENER TSCHUSCHENKAPELLE

are so different as thair approach to music. The group, wich lives and works in Vienna, has been concentrating on the tremendous variety of Balkan musical traditions for years.