Ein Resumee der Balkan-Tournee der Wiener Tschuschenkapelle im Sommer 2008
Mit der Sevdah Transversale quer durch denBalkan haben wir eine Idee realisiert, mit der wir uns bereits seit einigen Jahren beschäftigt hatten, die aber dennoch nichts von ihrer Aktualität eingebüsst hat. Im Gegenteil: die Verbindung und Wechselwirkung zwischen den in Wien lebenden Mitgliedern der Wiener Tschuschenkapelle und ihren Herkunftsländern auf dem Balkan ist gerade in Zeiten höchst relevant, wo sich “Kerneuropa” noch stärker einmauert und xenophobe Tendenzen genährt werden, die Südosteuropa nicht als wesentlichen Bestandteil Europas, sondern vornehmlich als Brutstätte bedrohlicher Kriminalität betrachten wollen.
Es hat aber auch etliche Jahre gebraucht bis die Wiener Tschuschenkapelle – inzwischen selbst stark transformiert und umbesetzt - diese Idee umzusetzen bereit war, nicht zuletzt wegen des oft zwiespältigen und zeitweise schwierigen Verhältnisses zwischen Diaspora und Herkunftsregion. Nach Tourneen durch halb Europa, nach Brasilien oder ins Südliche Afrika war die Zeit schließlich reif, auch den “Heimatländern” einen gemeinsamen Besuch abzustatten.
Die Tournee Sevdah Transversale wurde insgesamt ein großer Erfolg. Nicht nur weil der Empfang und die Resonanz an allen Auftrittsplätzen sehr gastfreundlich bis begeistert war und die Medienaufmerksamkeit großartig, sondern weil auch das Konzept aufgegangen ist, die als Balkan Blues bezeichnete Sevdalinke Musik als Leitfaden für die musikalische Spurensuche von Belgrad bis Sarajevo und von Tirana bis nach Zagreb zu nehmen.
Die Sevdah Transversale war deshalb auch keine Tournee im üblichen Format einer Serie von Auftritten vor wechselndem Publikum , sondern eine Begegnung auf Augenhöhe und eine buchstäbliche “Erfahrung” der mitunter widersprüchlichen Perzeption des vielfältigen musikalischen Kulturerbes des Balkans. In der direkten Auseinandersetzung der unterschiedlichsten Interpreten hatte eine oberflächliche Jugo-Nostalgie genausowenig Bestand wie der gegenwärtige Hype des Balkan-Kitsch. Da ging es schon einmal ungeschminkt zur Sache, was da den hohen Qualitätsansprüchen gerecht wird und was nicht; oder ob es primär auf die (geografische) Herkunft ankommt oder nicht doch eher auf den künstlerischen Gehalt.
Natürlich waren die persönlichen Bezüge der MusikerInnen zu Land und Leuten allgegenwärtig auch wenn sie sich nicht immer (für die begleitende Dokumentation) offenkundig äußern wollten. Oft wurde über die gemeinsame Geschichte der Region und ihre Vereinnahmungen auch in der Band sehr heftig debattiert. Die persönlichen Kontakte und Beziehungen zu den Leuten vor Ort oder zu Freunden und Familienangehörigen wurden mitunter überschwänglich gefeiert um dann wieder fast scheu versteckt zu werden.
Die ganze Reise entlang wurde immer wieder deutlich, wie sehr am Balkan noch alte Rechnungen – und Wunden – offen sind und mitunter die Nerven blank liegen. Wenn zum Beispiel selbst im Freundeskreis “Du Bosnier” noch als Schimpfwort vorkommt oder ausgerechnet eine serbische Herkunft eiens Musikers auf der Konzertankündigung (absichtlich oder unabsichtlich?) nicht angeführt wird, alle anderen hingegen schon. Angesichts solcher Altlasten und Empfindlichkeiten hat gemeinsames Musizieren und gemeinsames Kulturerbe sicher noch mehr zu leisten als ein bloßes Trostpflaster zu sein.
Umgekehrt will gerade die jüngere Generation ihr Recht auf Zukunft realisiert sehen und die Ruinen “den Touristen überlassen”. Hier hat Europa eine Bringschuld zu begleichen, indem z.B. die Barrieren für die interkulturelle und berufliche Mobilität gerade für die junge Generation der Wissbegierigen und Reisefreudigen schleunigst beseitigt werden.
Musikalisch war die von Natasa Mirkovic- De Ro eingefädelte und etliche Stunden dauernde Sevdah Sejelo im Trotzhaus in Sarajevo mit der Begegnung mit den Ikonen der Sevdah Musik wie Emina Zecaj, Hanka Paldum, Sejo Pitic, Himzo Tulic, Hasim Jatic oder Husein Kurtagic, aber auch mit der jungen Generation von Sevdah Interpreten wie Amira Meducyanin oder Vanja Muhic ein absoluter Höhepunkt der Tournee.
In sozialer Hinsicht waren darüber hinaus die berührende Begegnung mit der Roma Gemeinde von Mladenovac bei Belgrad, die herzliche Gastfreundschaft der Gemeinden Bijele Polje und Petrovac in Montenegro und das Fest mit Slavko’s Freunden in den Bergen der Lika besonders eindrucksvoll.
Die medialen Highlights waren sicher die live Auftritte im staatlichen Fernsehen in Belgrad und in Zagreb – jeweils im populären Frühstücksprogramm am Tag der abendlichen Konzerte. Aber auch die Aufnahmen des bosnischen Fernsehens beim Auftakt der Sevdah Transversale mit der Außenministerin Ursula Plassnik im Restaurant “Sarajevo” am Wiedner Gürtel in Wien, die vor unserer Ankunft in Sarajevo / BiH ausgestrahlt wurden und uns gleichsam den Boden bereitet haben.
(in der Kerngruppe bestehend aus Slavko Ninic und mir, zeitweise aber auch in Diskussion mit bzw. unterstützt durch Igor Bararon, Simon Kürmayr und Samira Seferovic)
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Dank an Slavko Ninic (als Botschafter des Europäischen Jahres für den Interkulturellen Dialog 08) und die Wiener Tschuschenkapelle mit Maria Petrova, Mitke Sarlandziev, Hidan Mamudov, Jovan Torbica und Ahilea Durcovski sowie den Sevdah Veteranen Jovica Petković für das grosse Engagement!
Weiters an Michael Mastrototaro für das blog Design; Alice Gutlederer und Sabine Krings für Grafik und Unterstützung beim Folder; Sue Grabner für Übersetzungen; Wolfgang Tausig & Business Travel Unlimited; Simon Kürmayr und Igor Bararon für Rat & Tat; Wolfgang Beyer, Ina & Markus Fischer, Walter Reichl, Marco Zimprich von FischerFilm/ORF; schließlich an Miodrag Goljanin für die sichere Fahrt im Bus von Sarajevo nach Tirana;
Dank an die Ehrenschützer, Förderer, Sponsoren und Unterstützer: Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer, Bundesministerin Dr. Ursula Plassnik, Bundesministerin Dr. Claudia Schmied, Balkan-Koordinator der EU Dr. Erhard Busek; BMUKK I/11, BMUKK IV/9, BmeiA V und die Österreichischen Botschaften bzw. Kulturforen in Belgrad, Skopje, Sarajevo, Pogorica, Tirana, Zagreb; Österreiches Kooperationsbüro in Wissenschaft, Bildung und Kultur; WienKultur, Austrian Development Agency ADA; Allianz Versicherung; Kontakt. The Arts and Civil Society Program of Erste Bank Group; HMH Rubble Master;
Dank an die zahlreichen Partner und MitarbeiterInnen vor Ort!
Mirsad Krupalija & Restaurant “Sarajevo” / Wien; Stefan Sablic & EthnoFusionFest & Shira u’tfila / Belgrad; Husein Kurtagic, Natasa Mirkovic-De Ro, Halid Kuburovic, Midhat Efendira & Sarajevo Arts Agency / Sarajevo; Vinko Mihajlovic, Niko Perazic & Rote Kommune Petrovac; Tufik Bojadzic, Samir Zaimovic & Kulturzentrum Bijelo Polje / Montenegro; Fatos Qerimaj, Arber Perolli, Petrit Seraili & Jazzfestival Tirana; Dinka Migic-Vlatkovic & ProArteManagement Zagreb; Davor Zagar, Vlado Drazen, Neda Jankovic & Zagreb Concert Management; Zdenka Mercep & Musikschule Samobor;
Last but not least - Dank an: Dzenita Adanalic-Osmanagic, Werner Almhofer, Mirna Balagija, Edin Bosnic, Petranka Delova, Waltraud Dennhardt-Herzog, Bernhard Denscher, Christian Ebner, Ljiljana Eric, Heidi Frank, Gerd Gensbichler, Monika Goodenough-Hofmann, Petra Hammerl, Helmuth Hartmeyer, Valerie Hauff, Oliver Hiller, Anna Jankovic, Neda Janković, Sabine Kernthaller, Mira Komadina, Alois Kraut, Michaela Mares, Boris Marte, Ana Misevska, Brigitte Öppinger-Walchshofer, Christopher Opancar, Waltraud Orthner, Peter Ponholzer, Josef Pöschl, Harald Quendler / Extraplatte, Florian Raunig, Norbert Riedl, Paul Rosdy, Haydar Sari, Samira Seferovic, Marianne Sekulic-van Twillert, Ivana Seperic, Bernhard Stillfried, Thomas Wastian, Heide Wihrheim;
Für den Veranstalter Verein Balkan Transversale
Peter Kuthan / Obmann und Tourbegleiter
Linz, im September 2008